CD  Prinz Willy (TinaZAHRT 2006)

Tracklist:

 

1.

11b

8´10´´

 

2.

12

8´24´´

 

3.

14

9´54´´

 

4.

21

12´27´´

 

5.

22x

20´17´´

 

Jens Tolksdorf - Saxophone, Bassklarinette, Flöte
Heiko Klotz - Tasteninstrumente, Stimme, Perkussion
Bernd Tomaschek - Bassgitarre
Peter Weise - Schlagzeug

Am 28.4.2006 fand das erste Konzert von TinaZAHRT im Prinz Willy in Kiel statt. Diese völlig frei improvisierte Musik ohne geringste Absprache wurde live mitgeschnitten und ist fast vollständig auf der Debüt-CD "Prinz Willy" zu hören.
Die CD wurde von Heiko Klotz aufgenommen, gemischt und gemastert und von Bernd Tomaschek, der auch für die Grafik verantwortlich war, und Heiko Klotz produziert.

12,- Euro incl Versand und Verpackung

Konzertkritik aus den Kieler Nachrichten vom 1.5.2006:

Die Freiheit zum Groove

TinaZAHRTs Bühnenpremiere im Prinz Willy

Von Jörg Meyer

Kiel – Wenn man das mal philosophisch betrachtet, gibt es sowohl die Freiheit von als auch die Freiheit zu etwas. Genauso ist das beim frei improvisierten Jazz der Kieler Combo TinaZAHRT, die am Freitag im Prinz Willy ihr Live-Debüt gab. Frei von jeglicher Komposition, von Absprachen über Tonart, Tempo oder Dauer, lassen sich Tasten-Guru Heiko Klotz, Jens Tolksdorfs klangfarbiges Gebläse von der Bassklarinette über die Saxe bis hin zur Flöte, Peter Weise an den gewohnt streichzarten bis PS-starken Drums und Bernd Tomaschek am „nordic walking“ E-Bass vom Augenblick und was musikalisch aus ihm entsteht treiben. Und gewinnen dabei immer wieder die Freiheit zum Groove. Die Jazzologen im Publikum diskutieren: Ist das mit dem Groove nun gut, oder sind die Vier, die auch in der Band Anthrazit auf einander schwören, einfach zu vertraute Kommunikatoren, als dass sie wirklich frei spielen könnten. Anders ausgedrückt: Wenn der Ball, den einer ins Feld wirft, sogleich so gut verwandelt wird, kann man dann vom freien Spiel der Kräfte reden? Oder noch anders: Ist „Stück 2“ (das naturgemäß keinen Titel als diesen hat) vielleicht der wirkliche Free- Jazz, weil es dem Rezensenten just da zu chaotisch, zu unvermittelt, zu beliebig zugeht? Mit dem Free-Jazz der 60er und 70er hat TinaZAHRT nur am Rande zu tun, wenn sich Jens Tolksdorf in abseitige Ekstasen bläst. Die Freiheit von wird nämlich gleich wieder zu einer Freiheit zu. Nicht die Harmonien, auch nicht der Impuls, den meist Klotz' E-Piano, Orgel und raffinierter Sample-Synthie gibt, führt in diesen gemeinsamen Willen zum Groove. Aber die Geste, die Stimmung, die Klotz oder auch mal Tolksdorf oder Tomaschek anstoßen, wird von den Kollegen so prompt antizipiert, dass selbst die totale Improvisation sich komponiert anhört. Dennoch, es ist eine Komposition und damit eine (unfreiwillig) gebundene Kommunikation, die hier und jetzt gemacht wird, als unwiederholbares Unikat. Das Chaos organisiert sich und ihm dabei zuzuhören, ist vielleicht das Spannendste an TinaZAHRTs Freigeisterei. Gleich fallen einem wieder all diese Kategorien ein – Selbstorganisation von Systemen, dass es den Zufall nicht wirklich gibt ... – und beleuchten so in den Improvisationen des Quartetts musikalische Basis- und Theoriearbeit, deren Praxis nur ein Gleichnis ist. Dessen sinnliche Erfahrung ist freilich frei von jeder Theorie. Groove rulez! Und die Frage, ob das nun so oder anders oder überhaupt „free“ und improvisiert oder im Augenblick komponiert ist, spielt keine Rolle mehr, weil die experimentierfreudige Klangunmittelbarkeit von TinaZAHRT mittel- wie unmittelbar Kopf und Herz und Bauch groovt.